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eSport und die Politik

eSport - Sport im Auftrag der Koalition

eSport boomt, ist aber in Deutschland immer noch nicht als Sportart anerkannt. Das könnte sich bald ändern. So steht es jedenfalls im vorläufigen Entwurf des Koalitionsvertrages von CDU, CSU und SPD.

Ausverkaufte Stadien, Millionen Zuschauer weltweit, und die Besten kämpfen bei Turnieren um Preisgelder in Millionenhöhe: eSport hat im vergangenen Jahr auch in Deutschland den Durchbruch geschafft.

Das haben auch die großen Fußballvereine verstanden. Unter anderem haben Schalke, Hertha BSC, Wolfsburg, Köln und Leverkusen eigene eSport-Teams gegründet. Der Markt für den elektronischen Sport ist schließlich vier Milliarden Euro schwer, sagen Experten, und damit lukrativer als die Fußball-Bundesliga, die im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Euro umgesetzt hat.


200 bis 300 Bewegungen pro Minute


Doch ist eSport wirklich Sport? Vor allem ältere Menschen bezweifeln den sportlichen Wert der Jugendkultur, deren Anhänger ja schließlich nur vor dem Computer sitzen. Sportwissenschaftler Ingo Froböse sieht das anders. "Ein eSportler macht 200 bis 300 Bewegungen pro Minute und erreicht während eines Wettkampfes eine Herzfrequenz von 180 und damit nur knapp weniger als ein Formel-1-Pilot während des Rennens", führt der Professor der Deutschen Sporthochschule Köln aus.


Publikum bei der ESL One in Frankfurt 2015

Publikum bei der ESL One in Frankfurt 2015

Zudem seien gute eSportler auch immer gute Sportler. Wer mehrere Stunden am Stück vor dem Computer durchhalten will, müsse sich fit halten, erklärt Froböse, und Schach und Schießen seien schließlich auch Sport. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht das bislang anders und verweigert dem eSport die Anerkennung.


Olympische Perspektive


Auf dem Weg dorthin sind die eSportler jetzt allerdings einen großen Schritt weiter. "Da eSport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir eSport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen", heißt es im vorläufigen Entwurf des Koalitionsvertrages von CDU, CSU und SPD.


Die Freude beim eSport-Bund Deutschland (ESBD) war deshalb groß. "Das ist ein massiver Schritt nach vorne für den eSport in Deutschland. Die Anerkennung als Sportart ermöglicht die Integration in die Sportförderung der Länder, die Reisefreiheit für Berufs-eSportler und Coaches und den Aufbau einer breiten Amateurstruktur", sagt ESBD-Präsident Hans Jagnow.



Dachverband gegründet


Erst im November 2017 hatte sich der deutsche Dachverband gegründet. Oberstes Ziel: Die Anerkennung als offizielle Sportart. "Der Verband soll eine Interessenvertretung für den Amateur- und Spitzensport sein. Eine Repräsentation nach außen, eine Plattform nach innen", sagt Jagnow.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten 20 Teams und Vereine aus Spitzen- und Breitensportbereich des eSport, die weltgrößte Ligenplattform Electronic Sports League (ESL)  aus Köln sowie der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Vizepräsident ist Jan Pommer, der von 2005 bis 2015 Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga war.


Bei den Asienspielen dabei


Das alles hatte damals auch den DOSB bewogen, eine Arbeitsgruppe aufzustellen. Positive Signale aus der Politik gab es schon länger. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im August 2017 die weltgrößte Videospielmesse Gamescom in Köln eröffnet und zeigte sich hinterher begeistert. Und auch international ist man einen Schritt weiter. Die Organisatoren der Asienspiele haben eSport als offizielle Sportart ins Programm genommen - erstmals für die Spiele 2022 in der chinesischen Stadt Hangzhou.


Leipzig als gemeinnützig anerkannt


Voller Elan ist aber nicht nur der ESBD, auch die einzelnen Vereine sind es. Als erster deutscher Klub wurde "Leipzig eSports" zuletzt als gemeinnützig anerkannt. Damit sorgten die Sachsen praktisch für einen Präzedenzfall in der boomenden Branche. Die Gemeinnützigkeit bringt dem Verein auch finanzielle Vorteile. So können Spenden angenommen werden, Ehrenamtler genießen Steuervorteile.


Eine Frage der Zeit


Mit dem ESBD als Dachverband, der ESL als Liga und der Unterstützung der Politik ist eSport gut aufgestellt. Die Anerkennung durch den DOSB ist dann wohl nur noch eine Frage der Zeit. Offizielle Sportart zu sein, hat nur Vorteile. Man kommt ins Blickfeld der Öffentlichkeit und der Medien, profitiert von staatlichen Fördertöpfen und wird interessant für Sponsoren.

Die Aufnahme in den vorläufigen Entwurf des Koalitionsvertrages von CDU, CSU und SPD bedeutet noch nichts. Denn noch können die SPD-Mitglieder die Große Koalition per Veto verhindern. Den eSport in Deutschland wird das aber wohl nicht aufhalten können.


Quelle:http://www.sportschau.de/weitere/esport/esport-koalitionsvertrag-sportart-anerkennung-100.html